Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Kruso

Lutz Seiler



Kruso wurde oft als Abenteuerroman bezeichnet. Das entspricht nicht meiner Empfindung. Abenteuer ist es allenfalls noch zu Beginn des Buches, als Edgar Bendler Halle verlässt und Hiddensee als sein Ziel auswählt. Er strandet auf dieser Insel, um zu sich zu finden und nach einigem Umherirren findet er Arbeit im Restaurant "Klausner" am Ende der Insel. Dort trifft er auf Kruso, Alexander Krusowitsch, der ihn in die Rituale der Insel und in die Welt, die er sich geschaffen hat, einweiht.
Täglich kommen Menschen auf die Insel, um das Festland und alles was damit zusammenhängt, hinter sich zu lassen. Für Kruso sind das Schiffbrüchige, denen er hilft, einen Schlafplatz zu finden. Er hat den Anspruch, die Menschen in der Zeit, die sie auf Hiddensee verbringen, zu den Wurzeln der Freiheit zu bringen.
Dieser Roman ist für mich in erster Linie ein literarisches Buch. Faszinierend, wie es Seiler gelingt, einfache Tätigkeiten wie das Spülen und die Abläufe in der Küche, immer wieder so zu umschreiben, als kenne man diese Arbeit gar nicht. Er lässt Kruso und Edgar diese Tätigkeiten verrichten, als würden sie jeden Tag mit neuen Augen in der Küche stehen.
Die beiden tragen Weisheit in sich. Durch ihren offenen Blick und ihre Unvoreingenommenheit offenbart sich jeden Tag ein neues kleines Universum für sie..
Literarisch ein Leckerbissen, insgesamt allerdings etwas weitschweifig.
Die Hälfte der Seiten wäre angemessen gewesen.

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