Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: An einem Tag im November

Petra Hammesfahr



An einem verregneten Nachmittag im November verschwindet die fünfjährige Emilie Brenner spurlos. Familie Brenner erstattet viel zu spät die Vermisstenanzeige, da sie zuerst selbst auf die Suche nach ihrer Tochter gehen. Kommissar Klinkhammer trifft im Haus der Brenners bei seiner Ankunft auf Dr. Jürgen Zardiss, Gynäkologe und Vater einer Tochter, die 14 Jahre vorher ermordet worden ist. Klinkhammers erster großer Fall, den er beinahe komplett in den Sand gesetzt hätte, da er die falschen Schlüsse gezogen, an den falschen Stellen nachgehakt, die falschen Spuren vertieft, die losen Fäden nicht korrekt zusammengefügt hatte.

So scheint es ihm auch hier zu gehen. Zu Beginn dieses Buches dachte ich, was ist denn das, ein Handlungsstrang jagd den nächsten, eine Person und noch eine und noch eine wird eingeführt, Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Angestellte der Brenners, das halbe Wohnviertel, Kinder, Jugendliche, Erwachsene tauchen scheinbar aus dem Nichts auf. Ein Kaleidoskop an Menschen dreht sich um den Leser und man fragt sich, wie soll sich denn hier jemand zurechtfinden, wer soll hier den roten faden Finden, was reitet Hammesfahr, so ein Chaos zu veranstalten.

Aber so langsam formt sich aus den vielen Puzzleteilen ein Bild, logische Folgen entstehen, Zeitabläufe werden klarer und Klinkhammer tappt doch beinahe wieder in die Falle der falschen Schlüsse. So wie dem Leser muss es dem Ermittlerteam in einem Mordfall gehen, sie steigen ein in eine komplett fremde Welt, in ein Familienleben, sie müssen trennen, sortieren, einordnen, sie müssen den roten Faden finden, der zur Tat und zum Täter führt. Wehe sie rollen den Falschen auf! Dieser Aufbau fasziniert mich an diesem Buch am meisten.
Mit diesem Buch ist Petra Hammesfahr, die ja Höhen und Tiefen in ihren Büchern aufweist, wieder ein toller Wurf gelungen, wie sie das Chaos auftürmt, um es dann langsam zu einem Bild zusammenzufügen, das ist einfach herrlich.

Ein toller Krimi mit kritischen Anklängen zur Jugendkriminalität, zur brutalen Realität in manchen deutschen Schulen, zur Hilflosigkeit der Justiz und des Jugendamtes, zur Schau nicht hin Mentalität an vielen Orten, die alles verschlimmert. Ein Buch über Angst, über wohlstandsverwahrloste Kinder, ein Buch über das Leben in Deutschland im Vorort irgendeiner großen Stadt, eine Geschichte, die so oder ähnlich hätte ablaufen können.

Tags: Jugendkriminalität

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