Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Land der Gewohnheit

Ted Thompson



Dieses Buch erschien zwar schon im Herbst, aber es hat doch den Weg in die Frühjahrsbesprechung noch geschafft, ja und warum? Ganz einfach, kein Buch wurde von der Kritik so widersprüchlich bewertet wie dieses.

Die einen loben es unter anderem aufgrund des guten Stils und der Handlung über den grünen Klee, die anderen zerreißen es in der Luft.
Und ich gehöre zu Beiden. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich dieses Buch loben oder zerreißen soll. Da dies ungewöhnlich ist, beschreibe ich es einfach mal hier. Wir lesen die Geschichte von Anders, einem End-fünfziger, der für die amerikanische Finanzindustrie gearbeitet hat und nun in Frührente geht. Er trennt sich von seiner Frau, seine beiden erwachsenen Söhne leben nicht mehr im Haus. Anders repräsentiert den Durchschnittsamerikaner, er verdient sein Geld in einem betrügerischen System, das er erkennt und durchschaut und dessen Regeln er wider besseren Wissens folgt, um sein eigenes kleines Glück zu machen, Weib, Kinder, Haus, die ganze Katastrophe. Seine Zweifel aber lassen ihn nie so recht los und so entschließt er sich bevor er 60 wird zur Scheidung und Kündigung seines wohldotierten Jobs. Schnell ruiniert er damit sein eigenes Lebenswerk, er verliert sein Haus, in dem inzwischen seine Frau gemeinsam mit einem ehemaligen Studienkollegen lebt.

Wider jede Erwartung folgt er einer Weihnachtseinladung von Freunden seiner Frau. Auf dieser Party betrinkt er sich nicht nur maßlos, sondern nimmt mit dem Sohn des Hauses Drogen, der Anfang der Eskalation...Ab diesem Punkt entwickelt sich die Geschichte in einer zunehmenden Abwärtsspirale, die lobenden Kritiker huldigen dem Buch als Beschreibung Amerikas nach dem Crash, dem Zerfall der Mittelschicht, deren Stabilität auf eine Seifenblase aufgebaut war, deren Lebensziele, hässliche überteuerte Häusschen auf Pump zu kaufen, sowieso völlig absurd waren, deren Kinder entweder dasselbe tun oder gnadenlos im Drogensumpf versinken, scheitern oder sterben...

Eine Kritik vergleicht Thompsons Roman mit dem großen Autor Yates, maßlos übertrieben, eine andere zerreißt die Geschichte als typisches Explorat von Schreiblehrgängen für angehende Autoren. Dieses Buch ist nichts wirklich davon, aber im Laufe meiner Buchbesprechung habe ich mich dafür entschieden, das dieses Buch eher nicht empfehlenswert ist. Man muss es also nicht gelesen haben, kann man aber dennoch irgendwie lesen...

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