Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Altes Land

Dörte Hansen



Dies ist mein Lieblingsbuch in diesem Frühjahr.

Es ist die Geschichte von Vera, die am Ende des Krieges mit ihrer Mutter Ida vor der russischen Armee aus Ostpreußen über das Haff nach Deutschland flieht und auf dem alten Hof von Ida Eckhoff und deren Sohn, der zerstört und traumatisiert aus dem Krieg heimkehrt, strandet.
Dieser Erzählstrang ist voller Tiefe, Andeutungen und traumhaften Sequenzen, verbunden mit dem alten Land, dem alten Hof, voller Kämpfe und Verbitterung, unausgesprochener Worte und Wünsche, entsprungen aus dem Elend des Krieges, der Flucht, des Verlustes, des Schweigens.

Und es ist die Geschichte von Veras Nichte Anne, die aus dem schicken Szenestadtteil Ottensen in Hamburg mit ihrem kleinen Sohn zu Vera flieht, die sich dem Szeneleben und den Helikopter Müttern , der Zerfall ihrer Beziehung und den Ansprüchen ihrer Mutter Ida nicht mehr gewachsen fühlt. Um den allen zu entkommen reist sie ausgerechnet ins alte Land zu ihrer eigenbrötlerischen Tante.

Zwei Fluchten, zwei völlig verschiedene Frauen, die aufeinandertreffen, der alte schwere und der neue leichte Teil, sprachlich und inhaltlich perfekt herausgearbeitet. Diese beiden Frauenn raufen sich zusammen und plötzlich sehen beiden einen Sinn, eine gemeinsame Aufgabe, beginnen beide, jede auf ihre Art, wieder zu reden, ihre Träume und Wünsche auch die gänzlich verlorenenen zu akzeptieren und schließen Frieden mit ihrem Leben, ihren verlorenen Träumen und mit dem alten verfallenen Haus, dessen Renovierung die Beiden nach jahrzehntelanger Verwahrlosung gemeinsam in die Hand nehmen.

Garniert ist diese Geschichte mit herrlichen Anekdoten über das Leben auf dem alten Land, wohin die Städter flüchten, Häuser aufkaufen, diese wieder herrichten und voller Herablassung auf die gestandenen Bauern, die ihre Nachbarn sind, blicken. Herrlich die Szene in der ein "Landlust" Redakteur seinen Nachbarn besucht und diesem einen 20 Jahre alten Whiskey mitbringt, den der mit Cola trinken möchte, was den Redakteur schockiert und in seinen Vorurteilen bestätigt.
Was dieser nicht ahnt: Der Bauer äußert diesen Wunsch, weil er weiß, was von ihm erwartet wird...

Dieser Strang eröffnet Parallelen zum Schwarzwald. Auch hier lassen sich immer wieder Menschen von weither nieder, um das Landleben, das Urige und Verwurzelte zu genießen, zurück zum echten Leben zu finden, nicht umsonst gibt es auch hier herrliche, im Kern meist traurige Geschichten vom Aufeinanderprallen städtischer und ländlicher Lebensart.

Wie Hansen diese Mischung schildert, das ist einmalig komisch, beim Lesen musste ich immer wieder vor Lachen pausieren, dank dieser herrlichen Episoden, die in die Geschichte einfließen, ohne sie zu hemmen.

Ein Buch, das wunderschön anzuschauen und herrlich zu lesen ist!

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