Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Die Eifersüchtigen

Sandor Marai



Peter Garren kommt aus Karnak nach langer Zeit nach Hause, da sein Vater Gabor Garren im Sterben liegt. Im Haus des Vater Garren versammeln sich die Geschwister Peter, Tamas, der ebenfalls von weit her kommt, der Bruder Albert, die Schwester Anna und der jüngste Sohn Edgar. Sie kehren zurück in das Haus ihrer Kindheit. Marai beschreibt eine Familie , die von Träumen, Wünschen und von außen in sie hinein getragenen Projektionen lebt, eine geradezu sagen- und mythenumworbene Familie, die ein vergangenes Leben, eine zu Ende gehende Zeit und sterbende Gesellschaftsordnung repräsentiert. Der Vater war Inhaber einer Musikaliendruckerei, in der nie ein Notenblatt, gedruckt wurde, alles sehr ehrwürdig und stilvoll und Sebestyen schließt jeden Morgen das Geschäft mit Namen. Die Garrens leben in einer kleinen Stadt am Meer in Ungarn, sie leben dort seit Gründung derselben, gehören zu den "alten geachteten Familien" und sie sind alle irgendwie Künstler. Die Familie umweht eine besondere Aura, sie stilisieren sich selbst und werden von ihrer Umwelt neugierig beobachtet, wo nun alle zurückgekehrt sind, um den Vater auf seiner letzten Reise bei zu stehen.
Marai beschreibt in seinem einzigartigen Stil, in träumerischen Sequenzen die aufbrechenden Eifesüchteleien der Kinder Gabors, ihre Ränke, Gedanken und Ängste, die jedoch nie aufbrechen oder offen zu Tage getragen werden, während dieser im Sterben liegt. Aber nicht nur Gabor, sondern die Welt aus der er kommt, die er repräsentiert liegt im Sterben, die neue schnelle Welt der Maschinen und des Geldes erobert ihr Terrain und bricht in die kleine Stadt in Form der Besatzer ein. Uniformen, dampfende Schlote, Kaufhäuser mit riesigen Glasfenstern symbolisieren den Niedergang der Alten Welt und ihrer Ordnung. Mit dem Vater wird die alte Ordnung zu Grabe getragen, die Familiendynastie verliert mit ihm den letzten würdigen Repräsentanten.
Wunderbare Lektüre, herrliche Sprache, manchmal etwas tragend und schwebend, dann wieder pure Freude am Lesen!
Dieser Roman wird als Marais Hauptwerk bezeichnet, eine Art ungarischer Buddenbrooks.
Ein Buch für anspruchsvolle Leser, die nach etwas Besonderem suchen und gerne in wunderbaren Satzgebilden und schöner Sprache schwelgen. Dieses Buch hat etwas Traumhaftes und doch scheint der Leser diese Alte Welt zu kennen, zu fühlen und zu spüren, toll, einfach schön!

Tags: Familiengeschichte, Literatur

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