Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Stadt der verschwundenen Köche

Gregor Weber



Wer, wie ich, jeden Tatort, den er gucken kann, ansieht, der kennt Gregor Weber. Er ist der Saarbrücker Ermittler, der immer ein wenig hintendran zu sein scheint, immer ein wenig zu kurz kommt und dem dann, als die Beförderung unausweichlich scheint, ein bayerischer Ermittler vor die Nase gesetzt wird.
Dieser Gregor Weber hat einen -NEIN, keinen Krimi, sondern einen herrlichen Abenteuerroman geschrieben, der gleichzeitig eine Hymne an das gute Essen ist. Eine Abenteuergeschichte und Hymne an das Essen und die Kochkunst, das geht nicht zusammen, ja wie Weber das hinkriegt, das ist unvergleichlich, spannend, voller Phantasie, Abenteuer und Lust nicht nur am Kochen, sondern vor allem am Erzählen.
Carl Juniper ist Koch auf einem Luxusdampfer, leider verschläft er die Abfahrt des Luxusdampfern in den weichen Armen einer fragwürdigen Dame und muss als Smutje auf dem Seelenfänger "Birmingham" anheuern, die prompt untergeht. Er wacht in einem ihm völlig fremdem Land, einer anderen Zeit, einem anderen Leben auf und dort, wo er nun ist, ist Essen reine Bedürfnisbefriedigung. Junipers neue Welt ist freud- und trostlos, grau und von eintöniger Arbeit in riesigen Fabriken bestimmt. Durch Zufall stolpert er einen Abends in eine illegale Küche, betrieben von zwielichten Gestalten, hier kann er seine Leidenschaft und seine Kochkunst unter Beweis stellen. Da Kochen verboten ist, gibt es nun mal nicht viele Köche die das Handwerk beherrschen und die, die es tun, werden mit Gold aufgewogen, hoch bezahlt, aber sie leben in der Illegalität. Ihre Kunden sind durchweg reiche Mitglieder der herrschenden Klasse, die ihr verbotenes Vergnügen, das Schwelgen in gutem Essen mit Saufgelage und Prostituierten, mit Musik und Spiel bereichern. Ein buntes Treiben, wild und ungezügelt, dekadent und strengstens verboten. Seltsamerweise verschwinden immer wieder die besten Köche und so versucht Juniper mit einer Gruppe seiner neuen Gefährten das Geheimnis um die verschwundenen Köche zu lüften. Sie ziehen aus der sicheren Stadt in das ihnen völlig unbekannte Grenzland, um herauszufinden, wohin die Köche verschwinden und woher die Zutaten für das Essen kommen.
Ja, das hört sich schon sehr turbulent an und es gibt noch einen weiteren Handlungsfaden, denn in seiner alten Welt wacht Carl Juniper auf und wird für Petty Officer Harold P. Mulrooney, gehalten, den einzigen Überlebenden der Seeschlacht bei Coronel und somit ein Held und Soldat der Royal Navy, der leider glaubt, er sei Carl Juniper und deswegen längere Zeit bis zu seiner Genesung in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist.
Was sich hier alles ein wenig verwirrend anhört ist es im Buch nicht. Dieses Buch sprüht vor Freude am Erzählen und ist ein einziges Plädoyer für das Kochen an sich, herrlich zu lesen und einzigartig!

Tags: Kochen, Abenteuerroman

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