Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Charlotte

David Foenkinos



Es handelt sich hier um einen biographischen Roman der Künstlerin Charlotte Salomon, die in Berlin lebte.
Sie wird 1917 in eine liberale jüdische Familie hineingeboren und stirbt 1943 in Auschwitz-Birkenau.
Foenkinos sieht einige Werke von ihr und ist so berührt, dass er keine Worte dazu findet. Er hat den Drang zu schauen, was hinter diesen Menschen steckt und nach kurzer Zeit wird ihm klar, er muss dieses Leben auf diese Art zu Papier bringen. Als Leser macht es ebenfalls sprachlos und ich bin dankbar, daß er es in diese kurze knappe Form gebracht hat. Es wirkt äußerlich wie ein Gedicht, für mich während des Lesens, fast wie ein Bericht, er bringt die Tatsachen direkt auf den Tisch, ohne Ausschmückungen und sehr präzise, sodass die Aufmerksamkeit des Lesers sehr gefordert wird und man hat auch selbst das Gefühl, jeder Satz hat seine Wichtigkeit.
Charlotte hat doppelt an ihrem Leben zu Tragen, die Mutter begeht Selbstmord und später auch die Großmutter, dazwischen nun der der Krieg.
Sie flüchtet nach Südfrankreich zu ihren Großeltern, aber auch da bleibt sie nicht vom Krieg verschont. Der Tod der Großmutter wirft sie in eine tiefe Krise. Es gibt einen Zeitpunkt, da wird ihr klar gemacht und sie fühlte es auch für sich, das nur die Malerei sie retten kann. Sie malt im wahrsten Sinne um ihr Leben. Sie fühlt für sich die Aufgabe, ihr Leben in Kunst umzusetzen. Mit Hilfe der Malerei, aber auch begleitend mit Texten, die sie dann neben die Bilder heftet, hinzu kommen noch der Text und Gesang. Die Künstlerin sieht es als eine Art Tagebuch mit künstlerischen Mitteln. Nach ihrem Tod werden viele ihrer Werke ausgestellt und nach den Ausstellungen, Jahre später, dem jüdischen Museum in Amsterdam vermacht . Für ihre Angehörigen, den Vater, Stiefmutter und ihre erste große Liebe, die die letzten Jahre ohne ihre Gegenwart verbrachten, war es das was von ihr blieb.
Charlotte malte z.b. ihre erste Liebe viele Male aus dem Gedächtnis. Das die Kunst bleibt ist auch ein großer Trost für den Leser, denn ihr kurzes Leben war wirklich sehr tragisch und sie war eine wunderbare Künstlerin und ein Mensch, der trotz allem, vorwärts geschaut hat.
Obwohl dieses Buch sehr düster ist, kann man es durch diesen Schreibstil, den der Autor gewählt hat, bzw. wählen musste, gut lesen. Dadurch das er das Meiste relativ nüchtern berichtet und die Gefühle nicht so in den Vordergrund stellt, fühlt man sich als Leser zwar in der Geschichte, aber nicht unmittelbar betroffen. Ich habe es sehr gern gelesen und freue mich, dass sich Foenkinos an dieses Leben gewagt hat.

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