Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells



Benedict Wells hat auch "Fast genial", "Spinner" und "Becks letzter Sommer" geschrieben. Dabei hat er mich nicht wirklich gefesselt.
Hier hat er mich sofort nach den ersten Seiten gepackt und ich habe das Gefühl, hier hat er die Tiefe erreicht, die er
auch schon zuvor ausloten wollte. Er ist gereift und mit ihm sein Schreiben.
Die Figuren sind so gezeichnet, dass er genau den richtigen Abstand zu ihnen wahrt, und doch hat man als Leser eine genaue Vorstellung. Sehr nah ist man an diesen Menschen und doch ist jeder mit einer geheimnisvollen Aura umgeben, sicher das Geheimnis, was er selbst nicht kennt, weil es zu tief schlummert. Nur mit der Zeit wagen sich Anteile ans Licht. Der Autor bedankte sich beim Verleger Daniel Keel, denn er gab ihm für dieses Buch alle Zeit der Welt. Vielleicht ist es deshalb so gehaltvoll geworden.
Er verwendet hier all sein Einfühlungsvermögen auf Jules und seine Geschwister Marty und Liz. Sie verlieren schon in jungen Jahren ihre Eltern bei einem Autounfall. Alle drei sind völlig verschiedene Charaktere und jeder geht anders mit dem Verlust um. Schon als die drei kurze Zeit später im Internat landen, werden die Unterschiede spürbar.
Marty verliert sich gern in Schulbüchern und seinen PC. Jules ist der Träumer, der auch die Liebe zum Schreiben in sich trägt, aber auch die letzten Worte, die er zum Vater sagte nicht rückgängig machen kann. Liz ist die Älteste und die hilfloseste von allen und verfällt den Drogen. Aus Sicht von Jules wird erzählt, wie das Leben der Geschwister weiter seinen Weg findet und immer in Verknüpfung mit der Vergangenheit.
Für Jules selbst spielt Alma eine tragende Rolle. Diese starke geheimnisvolle Frau, die er schon im Internat kennenlernte, deren Lebensgeschichte, er erst Jahre später erfahren durfte und die auch immer wieder von der Tragik ihres Lebens eingeholt wird.
Nach Abschluss des Buches, dachte ich, es ist wie das Leben, es beschönigt nichts und zeigt uns, dass wir alle nur Menschen sind, die mit unserer Vergangenheit leben müssen, sowie mit den daraus entstandenen Ängsten, aber das es auch im größten Unglück einen Funken geben kann, der uns vorwärts bringt. Es ist so wahr, denn es gibt keine Garantie für ein geradliniges Leben und auch nicht die Garantie mit seiner großen Liebe das ganze Leben verbringen zu können. Was zählt ist den Moment auszukosten und der Zusammenhalt mit den Menschen die wir lieben.
Benedict Wells Buch ist wie ein Film, bei dem nicht viel Worte verwendet werden, umso mehr verwendet er Zeit auf das Innenleben der Personen.
Ich fand es schade, Abschied nehmen zu müssen.

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