Buchhandlung Baeuchle

Buchhandlung Baeuchle



Buchtipp: Der Mann der das Glück bringt

Catalin Dorian Florescu



Dieses Buch ist mein Lieblingsbuch in diesem Frühjahr.
Aufgrund einer Einladung vom Beck Verlag, hatte ich das Vergnügen, den Autor direkt bei der Lesung erleben zu dürfen.
Es war eine große Freude ihn kennenzulernen, denn er strahlt sehr viel Wärme und Herzlichkeit aus.
Der Autor wurde in Rumänien geboren und lebte dort bis zu seinen 15 Lebensjahr in Timisoara, etwa 60 km entfernt vom Heimatort Herta Müllers. Seine Familie und er wanderten in die Schweiz aus und heute lebt er in Zürich. Bisher geht es in seinen Büchern immer um Lebensgeschichte von Migranten, von den Menschen die sich ein besseres Leben erträumen, oder denen nichts anderes bleibt, als die Flucht zu ergreifen.
In diesem Buch lernen sich Ray und Elena kennen und deren Familiengeschichte wird aufgewickelt.
Florescu beginnt mit dem Leben von Rays Großvater, mal lässt er Ray erzählen mal den Großvater selbst. Wir befinden uns mit ihm in New York im Jahre 1899, elternlos im Ghetto lebend, schlägt er sich schon in ganz jungen Jahren mit Schuhputzen und Zeitungsverkäufen durch. Er bekommt viele Geschichten zu hören, wer er ist und wer die Anderen sind, sodass er irgendwann auch Geschichten erzählt, denn irgendjemand muss er ja sein. So früh kam er ins Heim, das er keine Erinnerung hat, woher er kam, ob er Ire, Italiener oder Galizier ist. 1899 die Zeit in der Brooklyn und Manhattan vereint sind, Mister Edison die Stadt erleuchtet und Großvater träumt davon Sänger zu werden. In wunderbaren Bildern beschreibt der Autor New York vor 100 Jahren und am Ende des Buches gibt es einen Sprung und wir landen beim 11.September 2001.
Parallel dazu schwingen wir zu Elenas Familiengeschichte, die sich in Rumänien zuträgt am Fuße des Donaudeltas, beginnend mit der Großmutter Elenas, führt Florescu die Geschichte von Elenas Mutter weiter, die schwer erkrankt und immer vom Leben in New York träumt. Sie soll sich in New York wiederfinden aber anders als sie es erträumte.
Florescu ist ein Meister der Erzählkunst und sehr förderlich war das Stipendium das er erhielt um einige Zeit in New York zu verbringen. Ihm war wichtig das vibrieren der Stadt und des Lebens dort weiterzugeben. Das gelang ihm manchmal so, dass ich manchmal dachte, er wäre ein Erzähler aus tausendundeiner Nacht. Seine Sätze schwingen sich dem Leser entgegen und geradezu magisch und mit feiner Feder entfaltet er diese Schicksale, in den so gegensätzlichen Welten. Ich hoffe sehr, dass noch viele Werke vom ihm folgen. Anreize dazu dürfte er genug haben. Er erhielt zahlreiche Preise u.a. den Anna-Seghers Preis, 2011 den Schweizer Buchpreis, 2012 den Eichendorff Literaturpreis für sein Gesamtwerk.

[ weitere Empfehlungen aus der Rubrik Belletristik ]