Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde



Dies ist der erste große Roman der jungen norwegischen Autorin Maja Lunde und gleich ist ihr ein großer wunderbarer Wurf gelungen: Das Buch wurde in Norwegen DER Überraschungsbestseller 2016 und erhielt den norwegischen Buchhändlerpreis, gleichzeitig wurde es in 30 Sprachen übersetzt, die Filmrechte sind verkauft und auch in Deutschland steht „die Geschichte der Bienen auf der Bestsellerliste. Zu Recht, dieser Roman summt vor Geschäftigkeit und verbindet lose die Geschichte dreier Familien.
Laut Internet kann jeder überall Bienen halten, im TV laufen Reportagen über Imker und Bienenvölker, die auf Hochhäusern wohnen - und plötzlich steht Honig aus Pankow auf dem Frühstückstisch. Bienen sind faszinierend und haben ein Saubermann-Image, sie produzieren nicht nur leckere Nahrung, sondern gelten als gesellig, perfekt organisiert und fleißig. Aber da war doch was mit den Bienen, man hört immer wieder vom Bienensterben! Ein weltweites Bienensterben hätte verheerende Folgen für uns alle, denn Bienen bestäuben unsere Nutzpflanzen und sichern so unsere Nahrung. Wie würde die Welt aussehen, wenn es keine Bienen mehr gäbe?
England, 1857: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen, seine Arbeit als Biologe hat er verloren, die Protektion seines Professors ebenfalls, das Samengeschäft ist schwierig, seine Familie droht zu zerbrechen, da fällt ihm ein altes Buch in die Hände, ein Werk über die Bienen und so entwickelt er einen neuartigen Bienenstock, dies gibt ihm neuen Lebensmut, zumal er erkennen muss, dass sein Sohn ein wüster Taugenichts ist, seine Tochter aber, die er bis dahin geflissentlich ignorierte, teilt seine Leidenschaft zu den Bienen.
Ohio, USA, 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum: Sein Sohn Tom, der an der Universität studiert, soll nach Hause kommen und die Imkerei weiterführen. Vorher aber möchte George den Betrieb vergrössern, um den Sohn zum Bleiben zu bewegen. Vieles schwirrt ihm im Kopf herum und seinen Jungen versteht er schon lange nicht mehr. Das große Bienensterben ist 2007 bereits im Gange, doch George hält sich zu gute, dass ihm, der seine Bienen hegt und pflegt so etwas nicht passieren kann, bis er das erste tote Volk entdeckt…..
China 2098: die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume. Die Arbeit ist eintönig und hart, ihr Leben hatte Tao sich anders vorgestellt. Ihr Sohn WeiWen soll es einmal besser als sie haben und sie trimmt den Jungen in seiner Freizeit, damit er die Berechtigung zum Zugang zu einer höheren Schule erhält. China ist bereits heute dabei, Handbestäubung anzuwenden und zu perfektionieren, denn auch dort hat das Bienensterben schon begonnen, was ein Nachteil war, wurde zum Vorteil, denn China konnte nach dem großen Bienensterben sein Know How und die Fertigkeiten der Handbestäubung zum eigenen Vorteil nutzen. An ihrem freien Wochenende machen Tao und ihr Mann gemeinsam mit dem Sohn einen Ausflug. Wei Wen läuft in den Wald und ist verschwunden, als sie ihn finden ist das Kind reglos und fällt in tiefe Bewußtlosigkeit. Er wird von der Regierung in eine Klinik gebracht, der Wald umzäunt, Panzer schotten das Gebiet ab, doch Tao darf ihr Kind weder sehen, noch besuchen, so macht sie sich auf in die Stadt, um sein Schicksal herauszufinden. Die Stadt entpuppt sich als eine dystopische Welt, in der nichts mehr funktioniert und der Staat jegliche Kontrolle aufgegeben hat, eine Welt ohne Bienen. Aus diesen drei Erzählsträngen flicht Lunde einen wunderbaren Roman, der mehr als nur eine Geschichte der Bienen ist. Absolut lesenswert für anspruchsvolle Leser!

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