Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Suleika öffnet die Augen

Gusel Jachina



Gusel Jachina ist eine, 1977 geborene, russische Autorin und Filmemacherin, tatarischer
Abstammung. Dieses ist ihr erster Roman, ich bin froh ihn entdeckt zu haben.
Sie bringt uns ein Stück Geschichte näher, die mir bisher so nicht begegnet ist.
Der Roman spielt in Tatarien, einen Teil Russlands, zwischen den Jahren 1930 und 1946.
Die Zeit, in der viele Bauern enteignet werden und umgesiedelt wurden.
Suleika, eine tatarische Bäuerin, unsere Hauptfigur ,wurde schon 15 jährig mit ihrem Mann
verheiratet. Sie dient ihm wie eine Sklavin , ob es nun um den Haushalt, um das Holzbeschaffen.
oder die herrische Schwiegermutter geht, die gleich im Nebenhaus wohnt, und die ebenfalls
zufriedengestellt werden muss.
Von ihr wird sie beschimpft und erniedrigt, bis zu dem Zeitpunkt, als die rote Horde
kommt, erst Plünderungen vornimmt, ihren Mann erschießt und Suleika mitnimmt.
Sie findet sich nach einem Gefängnisaufenthalt, auf einem Viehwagen wieder.
40 Personen Tragfähigkeit oder zehn Pferde. Bald sind es 90 Personen die im Stehen einfach so
transportiert werden.
Eine Reise, von der niemand weiß, wie lange sie dauert und wohin sie führt. nach monatelanger
Fahrt, viele sterben dabei, landen sie in Sibirien im Nirgendwo.
Die Umsiedler, wie sie von den Rotarmisten liebevoll genannt werden, stehen vor dem Nichts.
Die Siedlung muss erst erschaffen werden, in der sie leben sollen. Es gibt noch keine Unterkünfte.
Baracken entstehen, ein Lazarett und später ein Clubhaus in dem ein Künstler, die russische
Kultur verherrlichen darf inklusive roter Fahne.
Suleika, mitten im Geschehen, bringt dort ihren Kleinen zur Welt. Sie verlor in den Jahren zuvor 4 Kinder
noch als Säugling und umso mehr hängt ihr Herz an dem kleinen Jusuf. So schwer die Zeit auch ist, aber er
gibt ihr auch Halt und ein Ziel und die enorme Kraft durchzuhalten. Er lockt das hervor, was in ihr
steckt. Sie kann sich auch besser durchsetzen und ihre Meinung vertreten.
Die Beziehung der beiden ist fast symbiotisch und Suleika schenkt ihm ihre ganze Liebe.
So hat sie auch gar keine Zeit über ihr Schicksal nachzudenken, macht immer weiter als Lazaretthelferin,
Köchin, Jägerin und Mutter.
Man kann Mitfühlen, wie sie in den Jahren immer mehr an Stärke gewinnt. Diese Entwicklung, die
Beziehung zwischen Mutter und Kind eingebunden in diese schwierige Zeit und die wunderbare
Sprache der Autorin , machen dieses Buch zu einem Genuss, auch wenn das Thema ein dunkles ist.
Jachina ist es mit ihrer liebevollen Sprache gelungen, ein finsteres Kapitel, noch warmherzig
wiederzugeben. Von diesen umhüllenden Klang möchte ich gern noch mehr lesen.

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