Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Acht Berge

Paolo Cognetti



Der Überraschungserfolg aus Italien wurde dort mit dem renommiertesten Literaturpreis des Landes ausgezeichnet: dem Premio Strega. Und Cognetti ist mit der Geschichte der lebenslangen Freundschaft zweier Buben, Pietro und Bruno, der eine Sohn italienischer Intellektueller, der andere Sohn einer scheinbar zurückgebliebenen Dorfbewohnerin und eines unbekannten Vaters im Dorf in den Bergen, eine vielschichtige, schwer zu erfassende Geschichte gelungen.
Vor der gewaltigen Kulisse des Monta-Rosa-Massivs schildert Cognetti das einfache und harte Leben in den Bergdörfern zu seinen Füssen, die nicht alle von Tourismuslawinen überrollt wurden. Die Berge und die Natur halten die Menschen in diesem Roman zusammen und am Leben, aber sie fordern ihren Tribut, manchmal gar das Leben. Stellenweise liest sich dieses Buch wie eine Hymne, eine Verbeugung vor der imposanten Bergwelt, eine Liebeserklärung an die Natur, wunderbar zu lesen, doch immer schimmert die harte Lebensrealität und Brutalität des Alltags des Lebens in den Bergen durch.
Ein „italienischer Seethaler“ sagen manche Buchbesprechungen, nun, dem kann ich nicht ganz zustimmen, Cognetti hat einen eigenen Rhythmus und stellt in seiner Geschichte ausdrücklich den Zwiespalt Natur-Stadt immer wieder zur Diskussion, ohne allerdings Antwort zu geben. Er demaskiert den Berg als idealisiertes Ideal des Städters und stellt ihn im gleichen Atemzug als Ruhe- und Sehnsuchtsort dar, er schildert die Sehnsucht des Dörflers nach Weltgewandtheit als Irrweg, gleichzeitig beschreibt er die eine innere Zerstörung, die die Isolation in der Natur anrichten kann, die Sturheit der Bergvölker, die Entwicklung erschwert und ablehnt, einerseits als Ideal, andererseits als erschreckend archaisch. Die Wechselwirkung Mensch-Berg-Natur-Stadt-Emotion ist eine Grundmelodie der Geschichte: Wer in der Stadt wohnt, den zieht es in die Berge, wer in den Bergen lebt, den kann der Berg zerstören.
Dies ist ein ungewöhnlich schönes Buch über die Freundschaft, über die Natur, die Liebe, das Scheitern, ein Buch dem man, wie dem Berg, seine Zeit geben und lassen muss, nicht für jedermann und nicht für jede Stimmung geeignet.

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