Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky



Hier begegnet man dem kleinen, großen Leben pur. In diesem Buch ist das Sehen und Betrachten ganz groß geschrieben. Besonders wichtig sind die Begegnungen zwischen den Menschen .
Die Bewohner eines kleinen Dorfes begleiten uns fortwährend und so wächst uns fast jeder ans Herz.
Wer selbst im kleinen Dorf aufgewachsen ist oder länger gelebt hat, weiß, wie familiär die Bindungen dort sein können.
Luise, die Erzählerin ist zu Beginn des Buches 10 Jahre und und am Ende Mitte Dreißig. Sie berichtet uns von ihrer Freundschaft zu Martin, der gleichaltrig ist und mit dem sie viel Spaß hat, bis eine Zugfahrt alles ändert.
Es gibt den Optiker, der ihr auf originellste Weise Buchstaben und Zahlen beibringt und eine philosophische Ader hat.
Selma ist die gute Seele des Dorfes, die für alle ein offenes Herz und Ohr hat, selbst mit Martins Vater Palm, der so viel Wut in sich trägt, kommt sie zurecht.
Es gibt liebevolle und auch sehr besondere Menschen im Dorf und später kommt noch Frederick hinzu, der Luise aus ihrer Verstockung hilft. Es wird geliebt, gelebt und gestorben, es gibt den Glauben und den Aberglauben, Verbindungen und Trennungen, die Angst vor dem Leben und dem Tod, der die Menschen zu den Wahrheiten führt.
Das alles macht Mariana Leky zu einem besonderen Fest, weil sie zum Dramatischen auch
meist noch das Komische hinzusetzt, mal lauter, mal leiser. Man fühlt sich als Leser wie im Improvisationstheater, bei dem so manche wunderbare kreative Sprachblüten aufsteigt. Lekys Roman hat mich an den Film "Die wunderbare Weit der Amelie" erinnert. Mit ist mit diesem Buch ein kleiner Schatz begegnet. Für mich ist dies ein Buch, dessen Ende man nicht entgegenfiebert, sondern fürchtet, da man in den Sätzen und Gedanken Lekys verweilen möchte , um
die wertvollsten zu feiern.

Nachfolgend einige Zitate:

Dann lachte sie und schlug dem Optiker auf die Schenkel, denn jetzt wo die 24 Stunden
vorbei waren, fand Elsbeth alles bis auf weiteres unsterblich-



Ich dachte, dass man sich von aufgeplusterten Abschieden nicht ins Bockshorn jagen lassen darf,
dass man ihnen sehr wohl von der Schippe springen kann, denn solang keiner stirbt, ist jeder Abschied
verhandelbar.



Die Kutte lag auf den Stuhl wie ein ohnmächtig gewordenes Gespenst.



Ihre Sprache hat etwas unbedarftes, freies und das Leben annehmendes und jede Menge sprachliche
Neuschöpfungen, die uns Leser auch zum Schmunzeln bringen.

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