Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Auf dem Strom

Hermann Schulz



„Auf dem Strom“ erschien erstmals 1998 im Carlsen Verlag als Jugendbuch.
Es war jahrelang nicht lieferbar und wurde dieses Frühjahr bei DTV wieder neu aufgelegt. Endlich wieder mit den die Handlung begleitenden und tragenden Bildern von Wolf Erlbruch, die bereits die Erstauflage zierten.
Der Missionar Friedrich Ganse kehrt nach einer Reise in ein afrikanisches Dorf in seine Missionsstation zurück. Dort findet er seine Frau Eva tot, die Tochter Gertrud schwer krank vor.
Um ihr Leben zu retten, muss er in die Stadt, dort ist ein europäisches Krankenhaus, in dem sie, sofern es nicht zu spät ist, geheilt werden kann. So macht sich Friedrich alleine mit Gertrud auf die Reise. Er packt das fiebernde, delirierende Kind ins Boot und macht sich auf die lange Reise in die Stadt.
5 Tage und Nächte wird er unterwegs sein, tagsüber paddelt er den Fluss hinab und jede Nacht macht er Rast in einem anderen afrikanischen Dorf. Jede Nacht trifft er auf einen anderen Heiler, Häuptling, Schamanen oder eine Heilkundige, die seine Tochter über Nacht versorgen und alle geben ihm neben Nahrungsmitteln und Wasser Ratschläge, ja sogar Fetische mit auf die Reise, um die Tochter vor dem nahen Tod zu bewahren. Friedrich Ganse als evangelischer Missionar lehnt derartiges heidnisches Beiwerk zwar ab, aber die Sorge um seine Tochter macht ihn weich, ja empfänglich für eine Welt voller Geister, Naturgötter und schamanistischen Bräuchen.
Diese Geschichte kommt ohne Nebensächlichkeiten aus, ihre Sprache ist kurz und klar gehalten, alles Überflüssige ist abgeschliffen, die Atmosphäre dicht und voller Sinneseindrücke. Dies ist kein Jugendbuch, ich habe es noch nie an einen jugendlichen Leser verkauft, sondern an Menschen, die etwas Besonderes suchen, die eine kleine Lebenshilfe suchen, denn dies ist eine Geschichte um Heilung, um Religion, um Menschlichkeit, Fürsorge und Liebe, in dieser kleinen Geschichte geht es um die grossen Fragen des Menschen, ohne dass diese überhaupt erwähnt werden. Dieser Roman ist eine Geschichte, die den Leser beglückt, ein Entwicklungsroman der besonderen Art, ein Buch, das etwas mit dem Leser anstellt, eine Heilungsgeschichte nicht nur für Friedrich Ganse und seine Tochter und ich freue mich besonders, dass dieses wunderbare Kleinod nun bei DTV wieder aufgelegt wurde.

Tags: Entwicklungsroman, Deutsch-Ostafrika

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